Schamanen sind Wanderer zwischen den Welten. Durch verschiedene Stimulanzien, mentale Übungen und/oder äußere Reize (z.B. Trommeln) sind sie in der Lage, in die (schamanische) Unter-, die Mittel- und die Oberwelt zu reisen. Bei den Germanen sind beispielsweise die drei Welten Wurzeln, Stamm und Krone von Yggdrasil, der Weltenesche. In anderen Kulturen gibt es andere Konstrukte. Die meisten Schamanen haben jedoch ihre ganz eigene Landkarte von Unter-, Mittel- und Oberwelt.

Stark vereinfacht dargestellt geht es in der Unterwelt um die Vergangenheit, die Ursache der Dinge. In der Mittelwelt kann man ganz praktische Anweisungen zur Behebung des Problems erhalten, und in der Oberwelt geht es um das Geistige, die Zukunft.

Schamanen können sich in andere Wesen (Menschen, Tiere) hineinversetzen und durch ihre Augen sehen, durch ihre Ohren hören. Welche Wahrnehmungen man hat, hängt ganz von einem selbst ab. Genauso wie man im „normalen“ Leben ein eher auditiver oder visueller Typ sein kann.

Das alles hat nichts mit Esoterik zu tun. Es geht darum, sein Ego für einen Moment völlig auszuschalten und sich ganz auf seinen Gegenüber, auf die Bearbeitung eines Problems einzustellen.

Als praktizierende Katholikin hatte ich während meiner Ausbildung immer wieder Probleme mit dem Schamanismus, der für mich heidnisch oder blasphemisch war. Aber konnte nicht der Heilige Franziskus auch mit den Tieren reden? Warum konnte er das? Er hat sein Ego zurückgenommen und mit dem Herzen gehört und mit dem Herzen gesprochen. Und wie hätten die Märtyrer die Folter ertragen können, wenn ihr Bewusstsein nicht beispielsweise gleichzeitig in der Oberen Welt war?

Ich glaube, dass Gott es gutheißt, wenn man Menschen hilft. Auch, wenn es auf eine Weise ist, die viele mit Argwohn betrachten, weil sie einfach zu wenig darüber wissen.